Chronik der Ortsbauernschaft Mützenich eV

und des Erntedankfestes in Mützenich


... die Anfänge

 

Ernte-oder Erntedankfeste zu feiern, ist keine Erfindung unserer Zeit. Seit Menschen Pflanzen anbauen und Tiere züchten, fühlen Sie den Drang, für gute Ernten oder Zuchterfolge zu danken. Diese Dankbarkeit wurde früher, als die Menschen weit weniger Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg ihrer Landwirtschaft hatten, noch viel intensiver wahrgenommen als heute. So haben sich Bräuche und feste entwickelt, mit denen man Erntedank einen festen Rahmen gibt.

Landwirtschaft war und ist nicht nur von der Natur und dem Geschick der Bauern abhängig. Politische und gesellschaftliche Umstände beeinflussen sie in beinahe ebenso großem Umfang. Der letzte krieg, die Vorstellungen der Siegermächte von der Neugestaltung der Landwirtschaft im Deutschland des Wirtschaftswunders haben die Situation der Bauern grundlegend verändert.

Solche Veränderungen führten auch in unserer Gegend dazu, dass sich die Bauern - wie andere Berufsgruppen schon früher - zu Interessenverbänden zusammenschlossen.

 

Im Venndorf Mützenich gründete sich am 14. Februar 1947 die Ortsgruppe „Mützenich des Rheinischen Landwirtschaftverbandes“ (Ortsbauernschaft)

 

Von 95 Landwirten, die an der Gründungsversammlung teilnahmen, traten noch am selben Tag 55 in den Verband ein. Erster Vorsitzender der Ortsgruppe wurde Johann Weishaupt.

Im Geschäftsbuch des Verbandes lässt sich nachlesen, welche Themen in den ersten Jahren die Mitglieder, deren Zahl schnell auf 10 anwuchs, beschäftigten.

Da ist von Zwangswirtschaft die Rede, von Soforthilfeabgabe, von Grund -und Umsatzsteuerfragen Lastenausgleich, Sozialversicherung und Berufsgenossenschaft. Die Rindertuberkulose war für die Bauern ebenso ein Thema wie Wildschaden und vieles andere mehr. Das waren alles ernste Fragen. Aber acht Jahre nach dem Krieg hatte man glücklicherweise auch wieder Sinn für fröhlichere Momente.

Die Ortsbauernschaft organisierte unter Ihrem Vorsitzenden Weishaupt erstmals ein Erntedankfest für das ganze Dorf. Bis dahin hatte man zwar auch in Mützenich den Erntedank als kirchliches Fest regelmäßig gefeiert; jetzt aber sollte mehr daraus werden.

Bereits vor dem Krieg wurden in einigen Dörfern um Monschau Ernteumzüge veranstaltet. Die Wirren des Krieges und die Nachkriegszeit ließen jedoch die Keime der „ großen“ Erntefeste wieder verkümmern.

 

1953 versuchte man es in Mützenich aufs Neue; und es wurde ein großer Erfolg.

Der Heimatblick titelte am Dienstag, dem 06.10.1953:

„Erntedank in Mützenich - Bei strahlendem Wetter

 eine Beteiligung wie ze Kermes „

 

…die Mützenicher Reitervereinigung eröffnete natürlich den schönen Zug, der durch das ganze Dorf, also auch die entlegenen Ortsteile Plattevenn und Eschweide führte. Ihnen folgte auf einem prächtigen Erntewagen das Trommler -und Pfeifenkorps- dann Wagen an Wagen! Ziemlich in der Mitte des Zuges fuhr das Festkomitee, dem der Kreislandwirt Weishaupt, der Kreisgeschäftsführer des Landwirtschaftsverbandes Mathonet, der Vorstand der Ortgruppe Mützenich, die Geistlichkeit und der Bürgermeister angehörten und die Veteranen , nämlich über 60 Jahre alte Landwirte.

In diesen Anfangsjahren ab 1953 war das Erntedankfest in Mützenich auf einen Tag, nämlich den ersten Sonntag im Oktober beschränkt. Das Fest begann mit einem Gottesdienst in der mit Früchten der Ernte geschmückten Kirche. Nachmittags fand sich das Dorf zum Festzug zusammen. Ob als Teilnehmer oder als Zuschauer und im Anschluss an diesen Umzug ging es zum Ernteball. (im Nassenhof)

 


Zwischentief und Neuanfang


Ein Zwischentief

Der Sommer 1954 hatte sich von einer denkbaren schlechten Seite gezeigt, die Ernte war mühsam gewesen und ihr Erfolg hatte sich in Grenzen gehalten. Diese Umstände führten dazu, dass sich kein Landwirt bereit fand, einen Erntewagen für den nächsten Umzug bereit zu stellen.

Es gab nur das traditionelle Hochamt und den Ernteball - diesmal im Weißen Pferdchen.

Der Wechsel des Lokals wurde für viele Jahre zur Tradition. In einem Jahr wurde im Nassen Hof im folgendem im Weißen Pferdchen gefeiert.

1955 fand wieder ein Festumzug statt, 1956 musste er wegen der schlechten Witterung abgesagt werden.

Die folgenden Jahre fanden die Umzüge statt.1960 -1962 viel er wieder aus. Der Erntedankball war jedoch immer gut besucht, die Ausgaben übertrafen jedoch die Einnahmen. Im Bericht von Paul Völl im Geschäftsbuch der Ortsbauernschaft ist nachzulesen: Lohnt sich der Ernteball überhaupt noch?

 

Der Neubeginn

Im Sommer 1962 verstarb der langjährige Vorsitzende der Ortsbauernschaft Johann Weishaupt.

Am 24.01.1963 wurde Franz Heinen zu seinem Nachfolger gewählt.

Unter seiner Führung gelang es der Ortgruppe, den ersten Sonntag im Oktober wieder durch einen Festzug zu verschönern.

1964 wurde beschlossen den Zug Weg zu verkürzen, nicht nur zur Freude der „Fußgänger“ sondern auch der Zuschauer.

Ab 1968 begleiteten den Zug nicht nur die üblichen Traktorgespanne, sondern zunehmend auch Pony-.Wagen und Fußgruppen mit Schubkarren .

 

 


... das Fest wird ausgebaut


 

 

Am 23.02.1970 verstarb Franz Heinen. Sein Nachfolger wurde am 17.04.1970 Hans Funken

1973 entschloss sich der Vorstand der Ortsbauern die Ballveranstaltung auf den günstiger erscheinenden Samstagabend zu verlegen.

Im Jahre des 25 jährigen Jubiläums, nämlich 1978 hatte der Festzug schon gehörige Ausmaße angenommen: mit 23 Wagen und etlichen Fußgruppen war es der bis dahin längste Festzug seit 1953. Auch die Wagen veränderten ihr Aussehen. Waren es Anfangs noch traditionell geschmückte wagen mit Früchten und Erntekranz, gab es immer mehr Themenwagen, deren Dekoration an die Landwirtschaft, die Ernte oder - ganz allgemein- die Situation der Bauern am Venn anknüpfte.

Seit 1981 nehmen auch Kinder am Erntedankzug teil. Der Wagen des Kindergartens ist jetzt regelmäßig dabei.

Auf Grund des stetig wachsenden Erfolges konnte der Ernteball nicht mehr in den bisherigen Räumlichkeiten abgehalten werden.

Seit 1981 findet er in einem Festzelt statt. Anfangs an der Gaststätte zur Buche.

Die achtziger Jahre brachten erhebliche Veränderungen, die allerdings im Nachhinein als Grundsteine für die heutige Stellung des Mützenicher Erntedankfestes in der gesamten Eifel gesehen werden müssen.

Mit dem Bau des Schützenhauses der St. Bartholomäus Schützenbruderschaft an der Ringstraße wurde der Startschuss für die Entwicklung des heutigen Dorfmittelpunktes gegeben.

Hans Funken griff 1985 den Vorschlag der Schützenbruderschaft auf, für das Erntefest den Dorfplatz am Schützenheim zu nutzen. Hier konnte man Zugbeginn und Ausklang wieder an einem Ort zusammenfügen und das Schützenhaus bot die erforderliche Infrastruktur für eine Großveranstaltung.

 

Juli 1996
Juli 1996

... ein neuer Veranstalter


Bis 1987 war die Ortsbauernschaft Veranstalter des immer größer werdenden Erntedankfestes. Die Umstände brachte im Jahr 1988 eine Neuorientierung der Mützenicher Landwirte mit sich, und so gründete sich am 08.05.1988 die Ortsbauernschaft Monschau-Mützenich als eingetragener Verein.

Die Gründungsmitglieder formulierten als Zweck der Vereinigung die Förderung landwirtschaftlicher Interessen, insbesondere Fortbildung, Erfahrungsaustausch und Pflege kultureller Bräuche u.a. die Durchführung des Erntedankfestes.

Dieser Verein entwickelte unter seinen Vorsitzenden Hans Funken (1988 -1996)

Udo Steffens (von 1996 - 2000) und Elmar Victor (2000- bis heute)

die alte, in Mützenich immer aktuell gebliebene Tradition eines großen Erntedankfestes zu

dem“ Event“ fort, wie wir es heute kennen und lieben.

 

Mützenicher Erntedank heute:

Auch wenn Planung und Gestaltung des Festes nach wie vor bei der Ortsbauernschaft liegen, war das Fest in den inzwischen erreichten Dimensionen von ihr alleine nicht mehr zu bewältigen. Zur Bewirtung gibt es deshalb seit einigen Jahren eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, in der die Landfrauenvereinigung und Sportvereine Mützenichs die an Mitgliedern verhältnismäßig kleine Ortsbauernschaft tatkräftig unterstützen.